Mischen impossible - Drogenmischkonsum
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Mischen impossible? Drogenmischkonsum Seminar
In seinem Seminar stellt Tibor Harrach die Ergebnisse einer systematischen Literaturstudie zu den akuten gesundheitlichen Risiken für die Konsumenten von Drogenkombinationen vor. Zudem geht es um Prävalenzen und Konsumbewertungen verschiedener Drogenkombinationen vor, die auf Basis einer Befragung von mehr als 1.500 Personen mit Drogenmischkonsumerfahrungen gefertigt wurde.
Beobachtungen zeigten, daß in den letzten Jahren vor allem das Mischkonsumverhalten der Techno- und Partyszene in den Focus der Aufmerksamkeit unterschiedlicher Instanzen geraten sei. So werde aus der Sicht der Suchtprävention eine scheinbar sich durchsetzende Wahllosigkeit und Exzessivität des Drogenkonsums bei Jugendlichen beklagt, im Bereich der Drogenhilfe werde hingegen zur Zeit eher über pauschal angenommene gesundheitliche Risiken diskutiert und auf der politischen Ebene werde derzeit vor allem auf eine Unwissenheit, mangelnde Verantwortung, ein geringes Gesundheitsbewußtsein und ein problematisches Risikobedürfnis bei den Jugendlichen geschlossen, für die eine akzeptierende Haltung nur schwer aufgebracht werden könne. Diese hier zitierten Bewertungen seien ohne systematischen Untersuchungen abgegeben worden und seien deshalb nach heutigem Kenntnisstand zu korrigieren.
Dies hier ist die Mitmachseite zum Drogenmischkonsum Seminar, welches am 18. November 2005 um 17:00 Uhr in der Offenen Uni BerlinS stattfindet.
Jede/r ist eingeladen, Fragen und Hinweise schon im Vorfeld des Seminars auf den MitMachWebseiten beizutragen. Dieses Dokument wird dann Grundlage der Diskussion.
Location
- Datum: Freitag, 18. November 2005, 17:00 Uhr
- Ort: Offene Uni BerlinS, Bibliothek - http://www.offeneuni.tk/
- eMail-Kontakt: entheogene(at)yahoogroups.de - (at) bitte durch @ ersetzen.
- Mitmach-Webseite: http://kuerzer.de/drogenmischkonsum
Wege zur Offenen Uni BerlinS
- 1: Philippstr. 13, [Hauptzugang]
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- 4: Luisenstr. 56, [zugänglich: Mo-Fr, 5-20 Uhr]
- Weiteres auf den Kontakt-Seiten der OUbS.
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Über Tibor Harrach
Tibor Harrach ist wissenschaftlich arbeitender Pharmazeuth, langjähriges Mitglied der AG Drogen und ehemaliger Vorstand bei Eve und Rave e.V. Berlin. Er ist Autor mehrerer Artikel zum Thema Ecstasy und hält Vorträge.
Gesundheitliche Risiken beim Drogenmischkonsum
Die akuten gesundheitlichen Risiken beruhen auf dem pharmakologischen Interaktionspotential verschiedener zeitnah eingenommener Substanzen. Als Folge einer solchen Interaktion kann es zu verminderter oder verstärkter (Neben)Wirkung kommen oder ein völlig unerwarteter Effekt auftreten. Die Reaktionen auf solche Phänomene sind heute noch im Rahmen einer relativ gut kontrollierbaren Arzneimitteltherapie von einer großen Portion Hilflosigkeit geprägt, da Interaktionen mit den oftmals auf monokausale Zusammenhänge ausgerichteten Denkstrukturen im Medizinbetrieb kollidieren. Ein sinnvoller Umgang mit Interaktionsrisiken kann jedoch nur durch das Denken in einer wahrscheinlichkeitsbezogenen Logik gelingen. Eine differenzierte Betrachtung des Interaktionsgeschehens beim Drogenmischkonsum in der pharmakologischen (betreff der Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Wirkstoffen), der pharmakokinetischen (betreff der Konzentrationsveränderungen der Wirkstoffe im Körper in Abhängigkeit der Zeit), der pharmakodynamischen (betreff der Stärke eines Effektes in Abhängigkeit von der Dosis des Wirkstoffes) sowie der pharmakogenetischen (betreff der individuellen unterschiedlichen Wirkungsprofile von Wirkstoffen aufgrund von genetischen Faktoren) Ebene hat sich dabei als hilfreich erwiesen.
Die derzeit eher spärlich vorliegenden pharmakologischen Daten zu den Wechselwirkungen von psychoaktiven Substanzen (psychotropen Stoffen) rechtfertigt nicht die oftmals vorgenommene pauschale Dramatiesierung der gesundheitlichen Risiken des Drogenmischkonsums. Nur in wenigen Substanzkombinationen konnten gefährliche "Interaktionsfallen" ausgemacht werden. In einigen Fällen wird durch die Einnahme eines zweiten Wirkstoffes die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von bestimmten potentiell gefährlichen Symptomen, die durch einen zuvor eingenommenen Wirkstoff ausgelöst werden können, sogar deutlich reduziert. Problematisch erscheinen vor allem zahlreiche Wirkstoffkombinationen, die Alkohol enthalten.
Der Konsum von GHB zusammen mit Alkohol, Opiaten oder anderen die Atmung beeinträchtigen legalen und illegalen Drogen birgt lebensbedrohliche Gefahren. Bei mehreren Konsumenten hat dieser Mischkonsum zu Atemlähmungen bis hin zum Erstickungstod geführt. -- Anmerkung von Tribble
Die Behauptung, daß Drogenmischkonsum deshalb so gefährlich sei, weil die Wirkungen der einzelnen Wirkstoffe sich generell nicht addieren, sondern potenzieren, ist pharmakologisch nicht belegbar und deshalb falsch. Es gibt zwar einige Kombinationen von Wirkstoffen, bei denen sich nach dem Konsum eine solche Potenzierung der Wirkungen einstellt, jedoch gibt es auch zahlreiche Kombinationen, bei denen sich nach dem Konsum die Auswirkungen eher additiv verhalten und sogar diverse Kombinationen, bei denen sich nach dem Konsum die substanzbedingten Auswirkungen nahezu aufheben.
Nach dem heutigen Erkenntnisstand darf Mischkonsum von psychotropen Substanzen nicht pauschal als ein unreflektiertes, sondern muß überwiegend als zielgerichtetes lern- und erfahrungsgestütztes Handeln verstanden werden. Hinsichtlich der Schlußfolgerungen sollte eine akzeptierende Präventionsarbeit im Sinne einer Risikominderung zur Erhaltung der psychischen und physischen Gesundheit auf jeden Fall auch auf die Erscheinung "Mischkonsum" ausgeweitet werden.
Im SuchtMagazin Nr. 3, Juni 2003 (Titelthema der Ausgabe: Partyszene und Pillentesting) veröffentlichte Tibor Harrach einen langen Artikel mit vielen Hintergrundinformationen zum Thema "akute gesundheitliche Risiken beim Mischkonsum".
Gesundheitsförderung im Drogenbereich beinhaltet auch die Vermittlung von Wissen über die Wirkungen und Risiken der psychoaktiven Substanzen und Strategien zur Risikoreduzierung, z. B. durch Safer-Use-Empfehlungen. Dabei wird meist nur auf die Folgen des Konsums einer einzigen Substanz (Monokonsum) abgezielt. Vor der gleichzeitigen oder zeitnahen Einnahme mehrerer Substanzen (Mischkonsum) wird wegen des postulierten besonders hohen gesundheitlichen Risikos üblicherweise eindringlich gewarnt und pauschal abgeraten. Trotzdem ist Mischkonsum in verschiedenen Szenen, wie z.B. in der Technoszene, eher die Regel als die Ausnahme und trotz medialer und behördlicher Dramatisierung des Phänomens "Mischkonsum" sind Gesundheitsbehörden wie die Berliner Senatsverwaltung heute weder in der Lage, besonders gefährliche Substanzkombinationen zu benennen noch auf der Konsumentenseite Hochrisikogruppen auszumachen. Tibor Harrach, Pharmazeut mit Lehrauftrag an der Freien Universität Berlin, Vorstand von Eve & Rave e.V. Berlin, Sprecher des Sonics-Netwerkes und langjähriger Forschungspartner von Joachim Eul in der Landesarbeitsgemeinschaft Drogen beim Bündnis 90/Die Grünen in Berlin kann hingegen solche Substanzkombinationen benennen und auf der Konsumentenseite Hochrisikogruppen ausmachen, wie der Artikel im SuchtMagazin zeigt: http://www.suchtmagazin.ch/textHarrach3-03.html
Viele praktische Hinweise zum Drogenmischkonsum kann man auch in dem Buch von Hans Cousto (Eve & Rave e.V. Berlin) mit dem Titel "DrogenMischKonsum – das Wichtigste in Kürze zu den gängigsten (Party)Drogen" (Solothurn 2003) nachlesen: http://www.nachtschatten.ch/prod/buch_491.htm
Weiterführendes
- http://www.arud.ch/presse/artikel/04-04-02-sn.html - Der Text ist die Zusammenfassung eines Vortrags an einer Fachtagung der psychiatrischen Klinik an der Universität Zürich.
- DrogenMischkonsum - safer-use-info, Hans Cousto, Buch, 2003, 140 Seiten
- Addicted to Party - Eindrücke von der FDR-Fachkonferenz in Erfurt, Redaktion Webteam www.eve-rave.net Berlin,Pressemitteilung vom 12. Juni 2004
- - Mischkonsumwarnungen von SaferParty
Mitschnitt
Der Mitschnitt der Veranstaltung wird auf PSI-TV.tk veröffentlicht.
Weiterhin in dieser Veranstaltungsreihe
vorbei:
- 7.-9. März 2008: Ausflug nach Wien, Teilnahme an der Demo für eine vernünftige und effektive Drogenpolitik und UNO Drogenkonferenz
- 15. Februar 2008 11-13 Uhr: Geplante Demo der LAG Drogen Berlin, der Grünen Jugend und anderen am 15.02.08 von ca. 11 – 13 Uhr vor dem Bundesrat (Nordeingang, Leipzigerstrasse)
- 18 Uhr: Salvia Divinorum Workshop
- Zaubersalbei - Was ist dran? Wie wirkt es, was macht es? Diskussion rund um die Pflanze; Aktuelles zur Diskussion Genuss- oder Arzeimittel? Mit Tibor Harrach.
- 18 Uhr: Salvia Divinorum Workshop
- 25. Januar 2008, 20 Uhr: Drogenerkennung im Strassenverkehr Workshop. Wie geht die Polizei vor, worauf muss ich achten? Infos und Tipps zum Umgang mit der Polizei. Mit dem Autonomen Drogeninfostand.
- 16. November 2007, 18 Uhr: Über das Konzept des Cannabis Social Club. Aus Spanien kommt ein neues interessantes Modell für die Deckung des Eigenbedarfs für volljährige Menschen. Das Modell beinhaltet einen nicht-kommerziellen Verein und kontrolliertes Anbauen. Vorstellung, Infos, Planung. Mit Martin Steldinger.
- 26. Oktober 2007, 18 Uhr: Drogenerkennung im Strassenverkehr Workshop. Wie geht die Polizei vor, worauf muss ich achten? Infos und Tipps zum Umgang mit der Polizei. Mit dem Autonomen Drogeninfostand.
- 19. Oktober 2007, 18 Uhr: Informationsverhalten von Nutzern die sich im Internet über Drogen informieren - dazu Informations-Desinformationspolitik der Bundesregierung am konkreten Beispiel. Mit Hans Cousto.
2006
- Psychonautische Ambulanz Workshop am 17.November 2006, 18 Uhr
- Drogenthematik zur Langen Nacht der Wissenschaften: 13. Mai 2006
- Wir machen einen Drogeninfostand - Sinnvoll auf Partys chillen; Seminar fuer Anfänger und Fortgeschrittene: 21. April 2006, 18:00 Uhr
- Vom Drogenkonsumenten zum Drogennutzer: 10. März 2006, 16:00 Uhr
- Drug-Checking-Programme - Entwicklung, Durchführung, Ergebnisse, Nutzen und Nutzung: 17. Februar 2006, 16:00 Uhr
- DROGENfilmSCREENING im Beamer84 am 28. Januar 2006, Begin ist 20:00 Uhr
2005
- Mischen impossible - Drogenmischkonsum: 18. November 2005, 17:00 Uhr
- Psychoaktive Pilze Seminar: verschoben, 28. Oktober, 16 Uhr;
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